Hinweise zur Neugestaltung

Dünne Suppe

von Steuerzahler am 27.05.2011 | 00:14 | Kommentare: 2 |

Liebes Rathaus,
Du machst Dir die Sache zu einfach. Wenn Du nach dem Preis gefragt wirst, kneifst Du und sagst, der könne erst später errechnet werden. Wenn Du nach den Grundlagen der Finanzierung gefragt wirst, verweist Du auf ungesicherte Städtebauförderung (in einem Bundesland, das nicht weiß, wie dem gesetzlichen Auftrag nach Rückführung des strukturellen Defizits jemals nachkommen soll...)und auf Eigenmittel der bereits mit 70 Millionen bis über beide Ohren verschuldeten Stadt. Und wenn Du nach der Notwendigkeit gefragt wirst, dann verweist Du auf das Einzelhandelsgutachten. In dem zwar viele Dinge drinstehen. Nur nicht, daß es notwendig wäre, auf der Nordseite der Friedrich-Ebert-Straße geliehene Millionen zu versenken.

In dem Einzelhandelsgutachten steht auf Seite 8, daß Pinneberg mit einer Reihe von Einzelhandelsagglomerationen konfrontiert ist. Und hierin liegt auch der Grund, warum einige der Läden in Pinneberg trotz relativ niedriger Verkaufsflächenzahl leer stehen. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, die Verkaufsflächenausstattung liege deutlich unter der vergleichbarer Städte. Und führt dann Lohne und Vechta an. Grober Fehler. Diese Städte sind eben nicht mit Pinneberg vergleichbar, haben keine Einzelhandelsagglomerationen und keine Metropole in ihrer Nähe. Nichts kann man aus diesem Vergleich ableiten. Und schon gar nicht, daß sich in Pinneberg enormes Potential erschließen ließe. Dieser Kardinalfehler in der Grundlage der Planung sollte mal intensiv besprochen werden. Wenn Potential gesehen wird, dann kommt auch ein Investor und baut. Siehe Bert Meyer. Und wenn ein Investor sich keinen Gewinn ausrechnet, dann wird statt einer Passage oder eines Kaufhauses eben ein Parkplatz gebaut. Die Realität ist hier viel schlauer als das Gutachten. Und viel schlauer als Du, liebes Rathaus.
Jeder Gurkenverkäufer, jeder Einzelhändler ist heute verpflichtet zur Auszeichnung der angebotenen Waren mit Preisen. Das dient dem Schutz des Verbrauchers, der nicht durch die Schönheit des Angebotes verführt werden soll, ohne den Preis zu kennen. Aber genau so ein Ding wird hier jetzt durchgezogen. Du, liebes Rathaus, stellst Deinen Bürgern vier Luxusentwürfe vor die Nase und fragst, na, Bürger, willste den Ferrari, den Porsche oder den Bentley. Preise verrate ich nicht. Aber Du darfst Dir einen aussuchen. Wenns nichts kostet, dann greift der Bürger zu. Aber so ist es ja nicht. Es kostet was. Nur Du, liebes Rathaus, hast gegen die Pflicht zur Auszeichnung verstoßen. Der Einzelhändler würde dafür eine Abmahnung bekommen. Also bitte, versieh jeden Entwurf mit einem Preisschild. Sage uns, wieviel Geld sich die Stadt leihen muß. Damit wir abschätzen können, ob wir unser Geld lieber für die Renovierung unserer Schulen oder dieses unökonomische Wahnsinnsprojekt stecken wollen.
Wir wollen Butter bei die Fische, wir wollen hier eine richtige Auseinandersetzung mit den Unzulänglichkeiten des Gutachtens und mit der ungesicherten Finanzierung auf Pump sehen. Wir wollen die Abschätzung der Entwicklung der Gewerbesteuer sehen in Relation zur städtischen Kreditaufnahme. Und dabei bitte nicht den Kannibalisierungseffekt vergessen, der dadurch entsteht, daß die Geschäfte vom eben renovierten und dann verwaisten Lindenplatz umziehen an den Ebertplatz.
Erst dann, liebes Rathaus, wenn Du hier eine solide, sich selbst tragende Projektfinanzierung auf die Beine gestellt hast, dann darfst Du mit Deinen Entwürfen hier noch mal ankommen. Dann helfen wir Dir gern beim Sortieren. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg...

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  Kommentare
Rathaus am 28.05.2011 16:40:12

Sehr geehrter Steuerzahler,

wie kann sich die Stadt entwickeln, wenn gleich Denkverbote aufgestellt werden?

Das auch auf dieser Seite vorgestellte Einzelhandelsgutachten basiert nicht auf einem Städtevergleich sondern auf einer fundierten Untersuchung der bestehenden Situation in Pinneberg und einer Berechnung der Potentiale.Z.B. Seite 38 ff. :

" Gesamtstädtischer Kaufkraftabfluss von rd. 59 Mill. € weist auf spürbare Angebotsdefizite hin"

"Der Innenstadthandel von Pinneberg benötigt neue Einzelhändlerische Entwicklungsimpulse" , etc.

Was kann die Stadt tun um diese und andere Mängel in der Innenstadt zu beseitigen und für die Zukunft deren Bestand zu sichern?
Diese Frage steht seit 2 Jahren im Zentrum der Diskussion von Politik,Bürgern, Wirtschaft und Verwaltung.
Ein Teil der Antwort könnten die vorgestellten Konzepte zur Innenstadterweiterung liefern.

Ob das heute vom Auswahlgremium, nach intensiver Diskussion über die damit verbundenen Vor- und Nachteile, gewählte Konzept realisiert werden kann, wird in einem nächsten Schritt intensiv geprüft und von den politischen Gremien sorgfältig abgewogen werden.

Der Planungs- und Entwicklungsprozeß kann nur schrittweise mit aufeinander aufbauenden Schritten erfolgen.

Eine Denkblockade mit Hinweis auf das Haushaltsdefizit hilft gar nicht weiter.

Im Gegenteil: Nur wenn die bestehenden Betriebe in der Innenstadt gesichert werden können und weitere Betriebe und Arbeitsplätze angesiedelt werden können, läßt sich die finanzielle Situaltion der Stadt langfrisitg verbessern.

PKasch am 27.05.2011 1:14:49

Hallo lieber Steuerzahler,

in vielen Punkten sprechen Sie mir aus der Seele, aber als Inhaber eines Geschäftes in Pinneberg möchte ich nicht so schnell aufgeben!

Wir wissen natürlich, dass im Rathaus zwei aus Hamburg-Altona erst geparkte und inzwischen abgeschobene Politiker den Pinneberger Bürgern als Bürgermeisterin und Wirtschaftsförderer aufgedrängt wurden.

Das Problem ist: Sie haben zumindest die Eine mehrheitlich gewählt!

Das ist aber nicht Thema dieses Forums!

Deshalb finde ich es schon wichtig, dass wir auch an dieser Stelle über die Möglichkeiten diskutieren dürfen.

Ich habe aber den Eindruck, dass die Verwaltung sich auf die vorläufige Bestätigung des Rates bezieht und alle alternativen Vorschläge völlig außer Acht lässt, weil ja nur das "Große und Ganze" zählt.

Es findet in Pinneberg leider keine Alternativfindung statt .-( .

So jetzt halte ich mich lieber zurück, sonst bekomme ich wieder eine Mail wie "Sehr geehrter PKasch,

bezugnehmend auf Ihren Beitrag im Forum vom 20.05.2011 - 00:39 möchte ich Sie auf die im Forum geltenden Verhaltensregeln hinweisen und Sie im Sinne einer konstruktiven Gesprächsatmosphäre trotz aller Emotionalität darum bitten, sachlich zu bleiben und sich auf die Formulierung von Argumenten zu konzentrieren.

Mit freundlichen Grüßen,
B. Hohberg (Moderation)"

MfG
PKasch

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