Hinweise zur Neugestaltung

Zuviele Fragezeichen

von Peter Burgdorff am 19.05.2011 | 17:54 | Kommentare: 8 |

Die 4 vorgestellten Planungen zur Innenstadt-Neugestaltung haben jede für sich ihren Reiz und ihre Schwächen. Gemeinsan leiden sie jedoch unter der von Politik und Verwaltung vorgegebenen - und von 2 Vortragenden öffentlich eingestandenen - Vorgaben hinsichtlich der Verlegung der FES und der großflächigen Verbrauchermärkte.
Daher münden alle 4 Planungskonzepte zwangsläufig in einem überzogenen Gigantismus, der unserer mittelstädtischen Größe in keiner Weise gerecht wird. Ein derartiger Großraumhandel - dazu noch in unerträglicher Konzentreation - überfordert nicht nur die Kaufkraft von Pinneberg und Umgebung. Diese Firmen orientieren sich grundsätzlich an Stadträndern, da ihnen Mietpreise der Innenstädte konzeptionell entgegenstehen. Es entstünde bei Umsetzung eine neue Stadt in der Stadt und würde die gewachsenen Struktureen dem Siechtum preisgeben und damit das Gegenteil von dem bewirken, was mit einer Neugestaltung bezweckt werden soll: eine Belebung der "alten" Innenstadt.
Die im Raum stehenden Kosten von 3,2 Mill. € für die Umleitung der FES sind zudem nur ein Bruchteil der Gesamtkosten, die allein die Stadt zu tragen hätte. In dieser Summe sind weder die erforderlichen Grunderwerbe, noch die Straßenumbaukosten zwischen Hochbrücke und Prisdorfer Str., noch der Rückbau der alten FES, noch 3 teure Brücken, noch Lärmschutzmaßnahmen im Zuge der neuen Umfahrung, noch angefallene Planungs- und Gutachterkosten, usw. enthalten. Selbst bei anteiliger öffentlicher Förderung von ca. 60 % bleiben bei der Stadt mehrere Millionen € Eigenmittel hängen. Und: in welchem Zeitraum glaubt man einen Plan dieser Dimension umsetzen zu können?
Völlig unökonomisch, kontraproduktiv und damit unverantwortlich!
Es sollte die FES als nördliche Grenze einer Überplanung der Innenstadt ausreichend Möglichkeiten bieten, Pinneberg so ergänzend zu gestalten, daß den Einkaufsbedürfnissen seiner Bürger in einer Stadt im Einzugsgebiet einer Weltmetropole Rechnung getragen wird. Dazu sind im Bereich Lindenplatz und Fahltskamp positive Ansätze geschaffen. Wenn noch ein wenig mehr Sauberkeit gepflegt würde, wären wir einen weiteren Schritt näher am Ziel einer attraktiven Stadt.
Bleiben wir im heimischen, grünen Pinneberg und ziehen nicht um nach Absurdistan, Utopia oder Schilda!

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  Kommentare
PePi52 am 26.05.2011 15:53:30

Auch dieser Beitrag hat meine volle Zustimmung.

FanPi am 26.05.2011 9:13:58

Man muss nicht unbedingt eine entweder/oder-Diskussion führen. Entweder die City wird großräumig komplett umgestaltet (wie in den Entwürfen) oder es bleibt alles wie es ist. Das sind nur scheinbar die Alternativen. Man kann auch durch gezielte Neubauten in angemessenem Umfang das ziel einer Stärkung der Pinneberger Innenstadt erreichen, z.B. in dem man nur in dem Bereich zwischen (jetziger) FES, Bismarckstraße (Drosteiplatz), unterer Dingstätte und Elmshorner Straße neu baut.

Ute am 25.05.2011 16:09:21

Hallo,

"Die Pinneberger , welche nicht und zunehmend weniger in Pinneberg einkaufen, stimmen "mit den Füßen" über die heutige Situation ab."

Ich muß sagen mir ist es eigendlich nie , so wie hier, klar geworden, das es innerhalb eines Kreisgebietes wie Pinneberg noch solche (für mich mitteralterlichen) "Hoheitsgebiete" oder wie immer man das auch nennen mag gibt.

Uh "Pinneberg verliert seine Kaufkraft an Prisdorf"!
Wenn es danach geht darf ich als Halstenbekerin ja kein Stück mehr in Pinneberg kaufen!

Ich weiß das ist nicht zu lachen, aber irgendwie kommt mir das ganze so vor wie 4 kleinen Kinder in jeder Ecke einer Sandkiste, die ich mal vor einiger Zeit dort habe spielen sehen: "...das ist mein Sand den darfst du nicht nehmen..."

Ist so ein Denken in unser heutigen, globalen und internationen Zeit eigentlich noch sinngemäß?!?

dkoch am 25.05.2011 11:21:10

Sehr geehrter Herr Burgdorf,
die Argumente gegen Innenstadtplanungen gleichen sich seit Jahrzehnten. Das war so in den 90er Jahren bei Plänen zur Bebauung der Marktplatzfläche, die durch Bürgerentscheid verhindert wurde. Beim Bau der Rathauspassage war es ähnlich, das Projekt wurde glücklicherweise verwirklicht. Bei den jetzigen Plänen und Ihrem Beitrag ist es nicht anders.

Sie wettern gegen den „Großraumhandel“, der „unserer mittelstädtischen Größe in keiner Weise gerecht wird“. In Pinneberg fehlen aber gerade größere Verkaufsflächen. Die sog. 1a-Lage Dingstätte bietet das nicht, die kleinen Räume mögen für Handy-Läden, Bäcker und Boutiquen groß genug sein. Wenn von denen einer leer steht, kann man nicht auf ein Überangebot an Einzelhandelsflächen schließen. Leider schaffen es die Geschäftsleute, genauer gesagt die Grundstückseigentümer in der Dingstätte nicht, sich mal zusammenzutun. Drei von den relativ schmalen Grundstücken mit teilweise großer Hinterhoffläche ergäben zusammengenommen das was Pinneberg benötigt. Wenn nun tatsächlich an anderer Stelle größere Verkaufsflächen geschaffen werden und deshalb die Mietpreise unter Druck geraten, ist Mitleid nicht angebracht. Die hohen Mieteinnahmen in 1a-Lagen sind keine Leibrenten, sondern verpflichten zu unternehmerischer Initiative.

Sie sagen ja selbst, dass sich großflächige Märkte „grundsätzlich an Stadträndern orientieren, da ihnen die Mietpreise der Innenstädte konzeptionell entgegenstehen,“ verdrängen aber beharrlich, dass gerade dadurch die auch von Ihnen gewünschte Belebung verhindert wird. In den 90er Jahren gab es ein baureifes Projekt zur Umgestaltung des Marktplatzes. Dort sollten großflächiger Einzelhandel, Fachmärkte und Wohnungen entstehen. Ein Bürgerentscheid hat das verhindert, Sie waren selbst einer der Initiatoren. Aber wer dieses Projekt verhindert hat, sollte sich fragen, warum die Unternehmen, die seinerzeit auf der Suche nach geeigneten Flächen waren, sich diese einige hundert Meter weiter in Prisdorf gesichert haben. Pinneberg hatte nichts anzubieten. Dieses Problem ist noch nicht ausgestanden. Für den Fall, dass in Pinnebergs Innenstadt keine Verkaufsflächen angeboten werden, will das Prisdorf auf den dort noch vorhandenen Flächen machen. Pinneberg kann dann nur erneut vor das Verwaltungsgericht ziehen. Dem Verwaltungsrichter wird das irgendwann wie ein Stück aus dem von Ihnen zitierten Schilda vorkommen.

Dann zerbrechen sich die Gegner solcher Projekte den Kopf der Investoren und malen Investitionsruinen und Leerstände an die Wand. Ich bin sicher, dass die Unternehmen, die tatsächlich Geld verlieren können, die besseren Informationen über die Wirtschaftlichkeit haben. Und was die Kosten angeht, an solchen Infrastrukturmaßnehmen müssen sich die Investoren beteiligen. Der Kreisel Richard-Köhn-Str./Christiansenstr. ist ein gutes Beispiel. Die langjährigen Verkehrsprobleme sind beseitigt, finanziert wurde der Umbau zu einem großen Teil von dortigen Investoren, insbesondere des Lebensmittelmarktes von Bert Meyer, dem wiederum ist die Stadt durch die Umwandlung einer Grünfläche weit entgegengekommen.

Zum Schluss eine grundsätzliche Feststellung. Eine Stadt ist kein Museum und Pinneberg nicht Rothenburg ob der Tauber. Eine Stadt muss sich verändern, weil sich die Umgebung und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen verändern. Wer die öffentliche Veranstaltung mit den Planungsbüros besucht hat, musste den Eindruck gewinnen, dass die Widerstände vor allen Dingen von der älteren Generation kommen. Was halten eigentlich die jungen Leute von den Plänen?

Steuerzahler am 22.05.2011 16:46:22

Hallo Rathaus, liebe Mitdenkende,

wenn Sie die Einzelhandelsuntersuchung lesen, die ja eine der Grundlagen des Prozesses bildet, dann werden Sie wesentliche Fehler finden. Es wird dort beispielsweise eine unterdurchschnittliche Verkaufsflächenausstattung postuliert - beim Vergleich mit Städten wie Vechta oder Lohne. Wenn Sie sich die Lage dieser Städte anschauen, dann sehen Sie sofort, daß hier Äpfel mit Birnen verglichen wurden: Pinneberg liegt nahe an Hamburg. Und nahe an Schenefeld. Die Pinneberger kaufen nicht einfach nicht ein, sondern sie erledigen ihre Einkäufe in den nahegelegenen Zentren. Solche Zentren gibt es in Vechta und Lohne nicht. Und in Pinneberg müssen diese bereits vorhandenen Angebote natürlich mit in die Überlegungen einbezogen werden.
Auf diesem Auge war das Gutachten blind. Die dem Pinneberger Bürger zur Verfügung stehenden Einkaufsflächen sind tatsächlich deutlich größer. Die Fachmärkte sind vorhanden. Sie sind nur nicht direkt in Pinneberg, sondern an gut erreichbaren Orten vor Pinnebergs Toren angesiedelt.
Die Kaufkraft hat schon Orte für ihre Realisierung!
Jetzt soll in Pinneberg eine Konkurrenzveranstaltung zur Hamburger Innenstadt, zum Schenefelder Stadtzentrum und zur Halstenbeker Einkaufsmeile hochgezogen werden? Um z. B. die Einwohner aus Waldenau oder dem Rosenfeld vom Schenefelder Stadtzentrum weg und in die Pinneberger Innenstadt zu locken?
Eine teure Illusion auf Grundlage schlechter Planung.

FanPi am 19.05.2011 20:10:38

Hallo Herr Burgdorff,
ihre Ausführungen treffen den Kern und sind folgerichtig.
Zur Anmerkung des Rathauses: Kaufkraftabflus ist natürlich nicht wünschenswert, Pinneberg wird ihn aufgrund seiner räumlichen und funktionalen Lage aber immer haben. Das halten der Kaufkraft in Pinneberg um jeden Preis macht aber auch keinen Sinn, denn es ist kein Wert an sich. Wenn die Kaufkraft an überörtliche Ketten geht, verbleibt nur ein geringer Anteil der Steuer in Pinneberg. Von lobenswerten Ausnahmen abgesehen, beteiligen sich diese Anbieter auch nicht an Maßnahmen zugunsten der stadt und des Gemeinwohls.
Man muss auch kalkulieren, wie viele Jahre zusätzliche Steuereinnahmen notwendig sind, um die Kosten wieder einzuspielen.

Rathaus am 19.05.2011 18:45:07

Sehr geehrter Herr Burgdorf,

wenn Sie die hier auch vorgestellten Ergegebnisse der Einzelhandelsuntersuchung lesen, werden Sie feststellen, das nicht nur die Leerstände in der Innenstadt zunehmem sondern auch der Kaufkraftabfluß erheblich ist.

Die eigentlich hohe Kaufkraft der Pinneberger fließt in großem Umfang aus Pinneberg ab. Ein wesentlicher Grund dafür ist, das für die fehlenden Sortimente und zugkräftige Anbieter in der kleinteiligen Fußgängerzone keine Flächen zur Verfügung stehen (siehe z.B. der Lebensmittelmarkt von Herrn Meyer)

Die Pinneberger , welche nicht und zunehmend weniger in Pinneberg einkaufen, stimmen "mit den Füßen" über die heutige Situation ab.
Wenn die Stadt die Entwicklung so treiben ließe, erscheint am Horizont nicht Utopia sondern eher eine Geisterstadt mit umfangreichem Handyangebot (um in Ihrem Bild zu bleiben).

Die Finanzierung der Entwicklung steht auf mehreren Säulen wie Frau Alheit in der Informationsveranstaltung am 18. Mai -auf der Sie anwesend waren- erläutert hat:
Es sind vor allem die Grundeigentümer und Projektentwickler zu beteiligen, welche auch von der Aufwertung durch diese Planung profitieren. Hinzu kommen Mittel der Stadt und Fördermittel. Die Stadt hat bereits Zusagen über ca. 4 Mill € aus dem laufenden Städtebauförderungsprogramm.

Selbstverständlich muss die Realisierbarkeit der Projetkte jeweils sehr sorgfältig abgewogen werden.
Klar ist aber auch, das ohne Engagement der Stadt keine neuen Arbeitsplätze und Firmen, welche auch entsprechende Einnahmen erzeugen, in der Innenstadt entstehen.

anonym am 19.05.2011 18:33:03

Bravo Herr Burgdorff!
Ihren Ausführungen schließe ich mich vorbehaltlos an!!

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